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"Die göttliche Ordnung und der Krieg" - VORWORT

Publiziert als Vorwort des Jahresberichts 2022 des Forums für Friedenskultur



Vor wenigen Jahren sah ich den Schweizer Spielfilm «Die göttliche Ordnung». Er zeichnet auf, wie stark verankert in der Schweizer Gesellschaft das Einverständnis war, dass Frauen weniger Rechte, weniger Mitsprache und weniger Entwicklungsmöglichkeiten hatten. Man sah diesen Zustand als «göttliche Ordnung».

 

Es ist an der Zeit, einen gleichnamigen Film über den Krieg zu drehen. Wir werden den Glauben nicht los, dass Krieg zur göttlichen Ordnung gehört, dass er immer da war und immer da sein wird. Doch wie wir den Grundsatz überwinden mussten, dass Frauen weniger Rechte haben, so müssen wir auch den Glauben überwinden, dass Krieg gottgegeben ist. Dafür brauchte es auch damals mutige Menschen, die das Undenkbare zu denken wagten und die völlig entgegen den Anzeichen in der «realen Welt» an die Möglichkeit einer anderen Realität glaubten. Es brauchte Menschen, die bereit waren ihren Sinn für Gerechtigkeit und ihre Vorstellungskraft zusammenzuspannen, um einen Systemwandel zu erreichen. Und all das ist noch gar nicht lange her.

 

Es gehört also zu den zentralen, wenn auch schwierigsten Aufgaben der Friedenskultur, immer wieder die Kraft und Überzeugung aufzubringen, an eine Welt ohne Krieg zu glauben. Denn wenn wir es uns nicht vorstellen können, wie sollen wir es dann erreichen? Und wenn wir, die hier in Frieden leben, nicht daran glauben, wer dann?

 

Meine Reisen in Konfliktgebiete zeigen mir zwei Dinge: Der Mensch hat ein enormes Zerstörungs-potential und zwar absolut jeder Mensch. Und – dem Menschen wurde eine unermessliche und unergründliche Fähigkeit mitgegeben, das Böse zu transformieren, das Leid zu überwinden und noch aus der schlimmsten Gewaltspirale auszubrechen.

 

Diese Gewissheit, dass wir Krieg überwinden werden und das Vertrauen, dass der Mensch alle dazu notwendigen Fähigkeiten in sich trägt, wünsche ich uns allen bei unserer nicht immer einfachen Auseinandersetzung mit Frieden.

 

Ich bedanke mich herzlich beim Team, dem Vorstand, allen Involvierten und Freund:innen des Vereins für die wertvolle Unterstützung und Mitgestaltung!

 

Lea Suter, Präsidentin

 

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