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  • Photo du rédacteurLea Suter

SRF Sternstunde Philosophie - TV-GESPRÄCH

Ich war eingeladen in einer meiner Lieblingssendungen, SRF Sternstunde Philosophie, über Frieden zu reden. Jedenfalls war das die Ankündigung. Im Gespräch selbst ging es dann doch mehrheitlich um Krieg... Es sind schwierige Zeiten, um die richtigen Worte zu finden, die Worte, die uns dem Frieden näher bringen würden.


Es war mir wichtig, dass wir ehrlich über die Dilemmata von Krieg sprechen:


Krieg ist ungerecht

Es ist mir ein Anliegen, dass wir, wenn wir von der Verteidigung des Völkerrechts sprechen, nicht vergessen, dass jeder Krieg und jeder Tag, den der Krieg länger dauert, eine massive Verletzung der Menschenrechte bedeutet, insbesondere das Recht auf Leben und das Recht nicht zu töten. Die Menschenrechte sind ebenfalls (wie das Recht auf Nicht-Angriff, das in der UNO-Charta festgelegt ist) Teil des internationalen Rechts, zu dem sich alle 193 Länder dieser Welt bekannt haben.


Und es ist mir wichtig, dass es uns immer bewusst ist, dass diejenigen, die von Kriegen profitieren und diejenigen, die den Preis für Krieg bezahlen nicht dieselben sind.


Aus diesen beiden (und weiteren) Gründen ist Krieg in jedem Fall ungerecht.


Militarismus macht unsicher

Militarismus und Aufrüstung fördern die Bedrohungs- und Gewaltspirale. Ausserdem werden gigantische Summen von Geld absorbiert, die wir dringend dafür brauchen würden, um weitere Kriege zu verhindern. Am sichersten machen uns gute Beziehungen.


Krieg schadet der nachhaltigen Entwicklung

Der Armeebetrieb und im besonderen Kriege sind eine immense Belastung für das Klima und werfen betroffene Länder und uns als globale Community um Jahre zurück in der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs).


Krieg schadet der Demokratie

Krieg raubt der Demokratie jeden Nährboden. Zum Beispiel fördert Krieg immer Korruption in astronomischem Ausmass und Korruption ist der Killer für jeden Rechtsstaat und fast nicht mehr auszurotten. Mit Krieg die Demokratie verteidigen zu wollen, ist ein sehr grosser Widerspruch.


Frieden beginnt im Krieg

Die Sprache ist ein zentrales Instrument der Kriegsführung und der Friedensschaffung. Wir sollten während des Kriegs bedacht sein, die Worte und Handlungen zu wählen, die es den Kriegsparteien einfacher machen, aus dem Krieg auszutreten. Es reicht nicht "bis zum Ende zu kriegen" und erst danach über Frieden nachdenken zu wollen. Den Preis - das sollten wir immer vor Augen haben - bezahlen die Menschen vor Ort.


Frieden bedeutet im Gespräch zu bleiben

Es ist illusorisch, eine einseitige Lösung zu suchen. Es braucht - früher oder später - immer alle beteiligten Parteien. Es ist enorm wichtig, Kritik zu üben am Verhalten einer Konfliktpartei, aber gerade wenn wir wollen, dass diese Kritik gehört wird, brauchen wir gute Beziehungen, um die Kritik in sinnvoller Weise einbringen zu können. Wenn wir bei Ausbruch eines Konflikts die Beziehungen aufgeben, wirkt dies unserem eigenen Ziel entgegen, schnellstmöglich eine Lösung des Konflikts zu finden und das Leid der Menschen maximal zu reduzieren. Mit Krieg nähern wir uns nie einer Lösung an, sondern vergrössern das Problem.


Es war mir eine grosse Ehre und eine sehr bereichernde Erfahrung, Gast bei der Sternstunde zu sein. Vielen Dank an Yves Bossart und Team!




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